Home / Wissen / Was ist Dekubitus? / Wie Dekubitus entsteht

Wie Dekubitus entsteht

Druckgeschwüre, medizinisch als Dekubitalulzera bezeichnet, entstehen im Gefolge anderer Krankheiten, die den Patienten nahezu oder völlig in seiner Bewegung einschränken. Dabei ist Dekubitus allerdings mehr als eine bloße Komplikation; die Erkrankung entwickelt vielmehr eine Eigendynamik, die für den Leidtragenden mit hohen, teils lebensbedrohlichen Risiken behaftet ist.

Die Bezeichnung „Druckgeschwür“ nennt bereits den Hauptfaktor für die Entstehung eines Dekubitus: anhaltende Druckeinwirkung auf eine Stelle der Haut, beispielsweise durch zu langes Sitzen oder liegen, ebenso jedoch beispielsweise aufgrund schlecht angepasster Gipsverbände. Dabei werden die kleinen Gefäße (Kapillaren) im Gewebe, die ARTERIOLEN und VENOLEN, zusammengedrückt und somit die Mikrozirkulation der Haut unterbrochen.

Dies geschieht dann, wenn der Druck auf die Kapillaren größer ist als der mittlere Blutdruck, der in ihnen herrscht (etwa 25-35 mmHg). lSCHÄMIE lautet die medizinische Bezeichnung für diesen Vorgang, bei dem die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff- und Nährstoffen sowie der Abtransport von Kohlendioxid verhindert wird. Dies hat eine AZIDOSE zur Folge, die eine Erweiterung der Arteriolen (Dilatation) und eine Steigerung ihrer Durchlässigkeit (Permeabilität) nach sich zieht.

Nun kann es zu Flüssigkeitsverlust aus dem Gefäß (lntravasalraum) kommen, der sich in der Bildung von Ödemen und Blasen oder in einer Gefäßthrombose äußert. Besteht die Ischämie über einen längeren Zeitraum, sterben die Gewebezellen ab – es kommt zur NEKROSE (Gewebezerfall).

Wie stark die Haut geschädigt wird, hängt von der Druckhöhe und der Dauer des Drucks ab. P x T = const.

Im Allgemeinen geht man im medizinischen Alltag davon aus, dass sich das Gewebe von einem länger als zwei Stunden anhaltenden Druck nicht mehr erholt. Daraus ergibt sich die Faustregel, immobile Patienten spätestens alle zwei Stunden umzulagern. Allerdings können verschiedene Risikofaktoren zu einer wesentlich schnelleren Entstehung von Dekubitus beitragen, so dass bei jedem einzelnen Patienten die vorbeugende Pflege individuell auf die jeweilige Dekubitusgefahr abgestimmt werden muss.

Neben stetem Druck können auch Reibung und Scherkräfte zu den kompressiv­ischämischen Hautläsionen führen. Beispielsweise schädigen scheuernde Gurte die Haut; gleichermaßen wirken Scherkräfte, etwa durch die Verzerrung von äußerer Haut und tiefer liegendem Gewebe beim Umlagern oder Aufsetzen eines Patienten.