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Stadieneinteilung

Voraussetzung für den richtigen Umgang mit Dekubitalulzera ist die korrekte Klassifikation des Geschwürs. In der Literatur zur Braden-Skala finden sich allerdings unterschiedliche Einteilungsvorschläge der einzelnen Stadien; einige Mediziner gehen von drei, andere von bis zu sieben verschiedenen Schweregraden aus. Der Grund hierfür ist in den unterschiedlichen Kriterien zu suchen, die der jeweiligen Einteilung zugrunde liegen. Einige machen die Stadieneinteilung von der Tiefenausdehnung des Geschwürs abhängig, andere orientieren sich an der Schwere der Infektion. Gleichgültig, welche Variante bevorzugt wird, spielt die Klassifikation für die Diagnose und die nachfolgende Therapie eine erhebliche Rolle.

In der Praxis gilt es als unbestritten, dass ein Dekubitus ersten Grades sich als entzündliche Rötung der Haut (Erythem) aufgrund der durch die Druckbelastung ausgelösten HYPERÄMIE zeigt. Die umschriebene Rötung verschwindet bei Entlastung nicht mehr, jedoch kurzfristig dann, wenn man mit dem Finger auf sie drückt. In diesem frühen Stadium besteht noch kein Hautdefekt; die hauternährenden Kapillaren sind zwar geringer durchblutet, doch die Epidermis ist noch nicht geschädigt.

Anders verhält es sich bei Dekubitus im zweiten Stadium. Das Erythem kann durch Fingerdruck nicht mehr beseitigt werden; die Kapillaren der Haut sind geschädigt. Es bilden sich Blasen oder Schorf – Teile der Epidermis, eventuell auch der Dermis sind bereits zerstört. Aufgrund des Hautdefektes besteht akute Infektionsgefahr. Einige Einteilungen gehen bereits bei Dekubitus zweiten Grades von einer Hautulzeration und einem Freiliegen des Subkutangewebes aus, während andere diese Kriterien als maßgeblich für das dritte Stadium der Erkrankung halten. In dieser Phase des Dekubitusulkus reicht die Wunde oft so tief, dass Muskulatur, Sehnen und Fascien sichtbar sind. Eventuell reicht der subkutane Defekt sogar bis auf den Knochen, genauer die Knochenhaut (Periost).

Hat sich das Ulkus voll entwickelt, liegt ein Haut- und Gewebedefekt mit Beteiligung des Knochens vor. Die Nekrosen führen hier zu Knochenhautentzündung (Periostitis), Knochenentzündung (Ostitis) und Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis). Eine operative Therapie wird nun unumgänglich, da nicht nur lokale, sondern auch systemische Infektionen zu befürchten sind: Der Abtransport der toxischen Abbau- und Zerfallsprodukte der Wunde über die Lymph- und Blutbahnen kann zur Schädigung von Nieren und Leber, zu Auswirkungen auf das Blutbild und zur SEPSIS führen. Für den Patienten kann, je nach Allgemeinzustand und Haupterkrankung, in diesem Stadium Lebensgefahr bestehen.

Braun (1989) schlägt vor, sich in der Praxis – unabhängig von der individuell bevorzugten Stadieneinteilung – folgende Fragen vorzulegen:

  1. Liegt ein reversibles Frühstadium mit intaktem Epithel vor? Wenn nein:
  2. Ist das Korium intakt? Ist dies nicht der Fall und liegt darüber hinaus eine Schwarzverfärbung der Haut vor:
  3. Hat sich das Vollbild des Dekubitalulkus entwickelt?

Verfärbt sich die Haut schwarz, so ist dies ein eindeutiges Indiz für ein Ausbreiten der Nekrose in den tiefen Gewebsschichten unterhalb des Koriums. Ist dieses Stadium einmal erreicht, muss davon ausgegangen werden, dass bis zur Heilung des Ulkus mehrere Monate vergehen.