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Lagerung als Therapie

Was für die Prophylaxe gilt, trifft auch auf die Therapie von Dekubitus zu: eine Druckbefreiung bzw. Druckentlastung ist die einzig wirksame kausaltherapeutische Maßnahme auf dem Weg zur Wiederherstellung der Blutversorgung und damit zur Wundheilung.

Konkret bedeutet dies die therapeutische, individuell zugeschnittene Lagerung des Patienten. Eine solche Lagerung richtet sich nach mehreren Aspekten: der Lokalisation des Ulkus, der Beschaffenheit des eingesetzten Materials und eventuellen Kontraindikationen, die zum Ausschluss einer oder mehrerer Lagerungsvarianten führen.

Wenn möglich, sollte der Patient natürlich mobilisiert werden; dies ist nicht nur aus dekubitustherapeutischer Sicht, sondern auch im Hinblick auf den Gesamtzustand wünschenswert. Liegt jedoch eine völlige lmmobilität vor, ist die Behandlung noch stärker auf eine sorgfältige therapeutische Lagerung im obligatorischen Zweistunden-Turnus angewiesen, als dies ohnehin der Fall ist, weil diese Umlagerung die einzige Bewegung des Patienten darstellt. Hierbei muss der geschädigte Bereich grundsätzlich ausgespart werden. Ist dies aus zwingenden medizinischen Gründen nicht realisierbar, darf das betroffene Hautareal keinesfalls Druck ausgesetzt werden, der über der kritischen Grenze von 25 mmHg liegt. Hierfür bietet sich mit all ihren Vor- und Nachteilen die Weichlagerung des Patienten auf speziellen Matratzen an.

Nach SEILER führt eine Kombination von regelmäßigem Umbetten und weichen Matratzen in 85% aller Fälle zum Erfolg. Liegt allerdings ein großes Dekubitalulkus vor, haben sich luftinsoufflierte, großzellige Anti-Dekubitus­Matratzen bewährt, die auch in Rückenlage eine adäquate Druckentlastung sicherstellen. Das gleiche gilt für Patienten, die über mehrere Risikofaktoren verfügen oder aufgrund eines Dekubitus operiert werden mussten.

Grundsätzlich sind in die Erwägungen für oder wider eine bestimmte Methode stets die Kontraindikationen sowie im Laufe der Zeit möglicherweise auftretende Nachteile einzubeziehen. Bei einer vollständigen Druckbefreiung bestimmter Stellen ist beispielsweise zu bedenken, dass diese zu Lasten der aufliegenden Körperregionen gehen, welche daher besonders sorgfältig beobachtet werden müssen.

Die einzelnen Lagerungsvarianten, die in der Therapie angewandt werden, entsprechen denen der Prophylaxe. Anders als dort kommen jedoch verstärkt professionelle Hilfsmittel wie Wechseldruckmatratzen, Auflagen und Luftkissenbetten zum Einsatz. Die Begründungen sind vielfältig; die hochspezialisierten Hilfsmittel werden vor allen Dingen geschätzt, weil sie eine stadiengerechte Lagerung garantieren und trotz aller Technik einfach zu bedienen sind. Einige Lagerungssysteme, vor allem Wechseldruckmatratzen, sorgen zudem auch über einen langen Zeitraum für die notwendige Kontinuität der gewählten Maßnahme und sind so in besonderem Maße für die lange Therapiedauer von Dekubitus der Stadien III. und IV. geeignet. Darüber hinaus bieten sich die vielfach auch mietbaren professionellen Lagerungssysteme gerade bei solchen Patienten zur Unterstützung an, die nicht oder nur unzureichend umgelagert werden können.

Bei der Entscheidung für ein spezielles Therapiesystem gilt es, die einzelnen Angebote anhand einiger Fragen genau zu prüfen: Nur wenn alle potentiellen negativen Begleiterscheinungen eines Lagerungssystems vor dem Einsatz bekannt und entsprechende Gegenmaßnahmen vom Pflegepersonal erörtert worden sind, ist eine umfassende therapeutische Lagerung zum Wohle des Patienten möglich. Dies ist dann der Fall, wenn die gewählte Methode medizinisch auf den Zustand des Betroffenen zugeschnitten ist, seinen individuellen Bedürfnissen Rechnung trägt, von den Pflegenden im Alltag leicht zu benutzen und sowohl in seiner Wirkung als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten effektiv arbeitet.