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Diagnostik

Basis jedes individuellen Therapieplans ist die korrekte Diagnostik. Dies meint den Einsatz aller Verfahren, die zur Abklärung einer Krankheitsursache sowie zur Klassifizierung und Diagnose führen.

Im Allgemeinen setzt die Diagnostik bei der Anamnese, d.h. der Befragung des Patienten oder seiner Angehörigen an. Ziel ist es, Informationen zur Krankengeschichte und eine Einschätzung der Schwere der Krankheit durch den Betroffenen zu erhalten. Beides sind keineswegs unerhebliche Aspekte: das Alter des Dekubitus, die Frage nach der bisherigen Behandlung, die Einstellung des Patienten zu der Erkrankung und die Feststellung, ob es sich um ein REZIDIV handelt, sind sowohl auf ambulanter als auch stationärer Ebene wichtige Grundlagen der Therapie.

Gleiches gilt für die genaue Kenntnis der Vor- und Grunderkrankungen sowie die Erfassung von Risikofaktoren wie Diabetes, Herzinsuffizienz oder Kachexie. In diesem Zusammenhang sind Laboruntersuchungen ein wichtiges Instrument; zum einen lässt ein Blutbild genaue Aussagen über den Allgemeinzustand des Patienten zu, zum anderen hilft im Falle einer Infektion die Analyse eines Wundabstrichs dabei, die ursächlichen Erreger festzustellen und die Bekämpfung der Entzündung entsprechend auszurichten.

Die eingehende Untersuchung des Geschwürs ist ein weiteres wichtiges Standbein der Diagnostik; sie ermöglicht die Klassifizierung des Ulkus nach Stadien und die genaue Beschreibung. Größe und Ausdehnung, Lokalisation und das vorsichtige Abtasten der Wundhöhle auf Taschen mit dem Finger oder einer Knopfsonde gehören ebenso zum Lokalbefund wie ein Keimabstrich. Besteht der Verdacht auf eine FISTEL, ist eine Röntgen-Fisteldarstellung indiziert.

Bei der Bewertung der gesammelten Ergebnisse ist vor allem die Frage nach der Mobilität handlungsleitend. Die Therapiemaßnahmen für einen nur kurzfristig in seiner Beweglichkeit eingeschränkten Patienten sind anders zu gestalten als bei Kranken mit ungünstiger Mobilitätsprognose. Auch die psychische Verfassung und die Kooperationsfähigkeit spielen bei der Erstellung des Behandlungsplans eine Rolle.

Ein solcher Plan orientiert sich an der symptomatischen und prognostischen Indikation. Die symptomatische Indikation nennt den Grund zur Anwendung eines bestimmten therapeutischen Verfahrens – beispielsweise die Gabe eines speziellen Antibiotikums aufgrund der im Wundabstrich festgestellten Keime oder die Entscheidung für Ergänzungskost im Falle eines mangelhaften Ernährungszustands. Nie zur Disposition steht bei Dekubitus die Druckentlastung, allenfalls die Hilfsmittel, mit denen diese geschehen soll.

Aufgabe der prognostischen Indikation ist es, Nutzen und Risiken sowie Aufwand und zu erwartenden Erfolg des potentiellen therapeutischen Verfahrens abzuwägen. Dies betrifft besonders die ambulante Behandlung, die in großem Maße auf die Kooperation des Patienten angewiesen ist. Ist damit zu rechnen, dass der Patient ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt? Kann der pflegende Angehörige die stete Umlagerung im Zwei-Stunden-Takt bewältigen? Fühlt sich der Kranke gut aufgehoben, ist er psychisch stabil?

Bereits dieser kurze Einblick in den Entscheidungsprozess zeigt, wie komplex, aspektreich und dadurch störanfällig die Dekubitustherapie ist. Hierin liegt auch die Wichtigkeit der steten Kontrolle und Beurteilung der getroffenen Maßnahmen begründet, ohne die eine Dekubitus-Behandlung nicht auskommt. Die Komplexität ist jedoch auch ein Grund dafür, dass für die Therapie ebenso wie für die Prophylaxe lediglich standardisierte Leitlinien entworfen werden können, die individuell an den Einzelfall anzupassen sind. Die folgenden Abschnitte stellen in diesem Sinne die wesentlichen Säulen der Behandlung von Druckgeschwüren vor, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können.