Home / Wissen / Folgen des Dekubitus / Psychische Auswirkungen

Psychische Auswirkungen

Die seelischen Folgen eines Dekubitus können massiv sein und dürfen keinesfalls unterschätzt werden. Ein Druckgeschwür verstärkt die Abhängigkeit des Patienten; bei nicht wenigen Betroffenen entsteht zudem das Gefühl, am lebendigen Leibe zu verfaulen, unangenehm zu riechen und deshalb eine Zumutung für andere zu sein.

Das Fachpersonal kann dem durch die Förderung sozialer Beziehungen, etwa durch Besuche oder ergotherapeutische Maßnahmen sowie Hautkontakte entgegenwirken. Unterbleiben solche Anstrengungen, kommt es nicht selten vor, dass psychisch instabile Patienten sich aufgegeben. In einem solchen Fall wird das Pflegepersonal mit seinen therapeutischen Bemühungen nur wenig erfolgreich sein. Aus diesem Grund gehören zur Dekubitustherapie auch stets Ansporn und die Stärkung des Selbsterhaltungswillens. Dies wird primär erreicht, indem dem Kranken Gesprächsbereitschaft signalisiert wird. Auch Konflikten muss dabei ins Auge gesehen werden; ein Patient, der sich nicht ernst genommen fühlt, ist kein guter Kooperationspartner. Gerade die Dekubitustherapie aber ist auf die Zusammenarbeit zwischen Arzt, Pflege und Patient dringend angewiesen.

Wichtig ist es auch, stets über den Stand der Therapie zu informieren und Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen. Erfahrungsgemäß bringt es die Behandlung voran, wenn der Kranke die Gelegenheit zur Partizipation erhält. Selbst kleinste in Eigeninitiative durchgeführte Handlungen helfen, den Patienten in die Therapie einzubinden.

Neben der Selbst- oder Mithilfe spielt das Loben eine große Rolle. Jeder kleine Fortschritt sollte mit dem Patienten als gemeinsamer Erfolg gefeiert werden. Bei Rückschlägen ist dem Betroffenen mit Geduld, Trost und Verständnis zu begegnen; keinesfalls sind dem Patienten moralische Vorhaltungen zu machen. Auch Appelle an das Verantwortungsgefühl, Schuldzuweisungen oder gar Motivationsversuche durch Schwarzmalerei bewirken nur das Gegenteil: der Patient wird sich zurückziehen und die Hoffnung auf Heilung aufgeben.

Jeder Patient ist ein Individuum; nur der Blick auf die psychosoziale Situation des einzelnen Patienten und seine soziale Umgebung kann klären, wie ihm begegnet werden sollte. Allein so lässt sich erfassen, ob der Patient oder Angehörige über Ressourcen verfügen, die in die Therapie eingebracht werden können. Ein Beispiel sind gute Verhältnisse zu Verwandten, die den Patienten mit seiner Erkrankung annehmen, ihn unterstützen oder vielleicht sogar Teile der Pflege übernehmen. Fehlen solche Strukturen, hat dies negative Auswirkungen auf die Motivation des Patienten, die Heilung aus eigener Kraft voranzutreiben. Bleibt eine Mitarbeit des Patienten trotz intensiver Bemühungen des Personals aus oder wenden sich Familienmitglieder von dem Kranken ab, ist professionelle psychologische Begleitung notwendig.

Wichtig dafür, dass sich der Patient in der Therapie wohl fühlt, ist seine umfassende Information. Das Pflege- und Therapieziel sollte mit dem Patienten und seinen Angehörigen erarbeitet und verständlich dargelegt werden. Dabei ist auf die individuelle Situation Rücksicht zu nehmen: äußert ein Patient beispielsweise den Wunsch, auf eine künstliche Ernährung zu verzichten, muss dies ernst genommen werden.

Prinzipiell muss sich das Fachpersonal vor Augen führen, dass nicht immer alle Ziele erreichbar sind; besonders die oft angemahnte Verbesserung des Allgemeinzustandes lässt sich nicht in jedem Fall realisieren, vorwiegend nicht bei betagten, multimorbiden Patienten. Für die Pflegenden ergibt sich daraus die Aufgabe, das Leben des Erkrankten erträglich zu gestalten. Das Eindämmen des vorhandenen Dekubitus und die Vermeidung neuer Druckgeschwüre können bereits hilfreiche Motivation für den Patienten bringen und dadurch die Lebensqualität verbessern. Bei Sterbenden ist generell eher die Linderung der Beschwerden in den Vordergrund zu rücken als die Heilung des Dekubitalulkus.