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Mobilisation und Durchblutungsförderung

Da Immobilität die Hauptursache für die Entstehung eines Druckgeschwürs ist, sollte ihr, wenn irgend möglich, durch aktivierende Pflege entgegengewirkt werden. Selbst kleinste Bewegungen wie das Sich-Drehen im Bett oder Anheben des Gesäßes tragen zur besseren Durchblutung der Haut und partieller Druckentlastung bei; zudem führt Bewegung zur Steigerung des Appetits, an dem es besonders älteren Patienten häufig fehlt.

Sofern es der Zustand des Patienten zulässt, sollte er so häufig wie möglich aus dem Bett aufstehen, einige Schritte – unter Umständen mit entsprechender Hilfestellung – gehen, zumindest aber in einen bequemen Stuhl gesetzt werden. Sprechen medizinische Vorbehalte dagegen, kann auch passive Gymnastik im Bett das Ihre zur Mobilisation beisteuern, indem sie den Muskeltonus stärkt und die Blutzirkulation verbessert.

Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Nebeneffekte einer Krankengymnastik oder zur Bewegung ermunternden Ergotherapie: die Beschäftigung und der Körperkontakt mit den Patienten stabilisiert die Psyche und bieten vor allem Bettlägerigen Abwechslung und können damit den pflegerischen und medizinischen Einsatz wirksam ergänzen.

Umstritten sind nach wie vor Maßnahmen, die der Förderung der lokalen Blutzirkulation dienen, beispielsweise in Form von Massagen oder durch Einreiben mit anregenden (hyperämisierenden) Salben und Lösungen. Kritiker argumentieren, dass solche Anwendungen überflüssig sind, sofern die wirkungsvollste Art der Prophylaxe – die Druckentlastung – konsequent durchgeführt wird. Zudem wird eingewandt, die in durchblutungsfördernden Mitteln enthaltenen ätherischen Öle könnten Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen und seien damit kontraproduktiv. Auch von dem Einreiben mit alten Hausmitteln, beispielsweise Franzbranntwein, wird abgeraten, da der Alkoholbestandteil die Haut entfettet und kleine Risse hervorruft, die Keimen das Eindringen erleichtern. Auch auf Melkfett sollte verzichtet werden, da Tests Spuren von Cortison in manchen Melkfettprodukten nachgewiesen haben.

In der Tat vermag die bei Dekubitusgefahr im praktischen Pflegealltag oft angewandte Massage zwar das psychische Wohlbefinden verbessern, ist jedoch aus prophylaktischer Sicht als Einzelmaßnahme nicht ausreichend. Prinzipiell gilt, dass jede Form der Anregung der Blutzirkulation die Druckentlastung lediglich ergänzen, nicht aber, wie in der Praxis offenbar noch vielfach angenommen, ersetzen kann.

Ausdrücklich gewarnt werden muss an dieser Stelle vor dem Einreiben der Haut mit Eis und dem anschließendem Fönen: Studien belegen, dass die Haut fünf Minuten nach der Durchführung dieser Kälte-Hitze-„Therapie“ schlechter durchblutet ist als zuvor. Zudem klagten die Probanden häufig über Schmerzen. Das Fönen kann darüber hinaus zu einer vermehrten Keimbelastung führen, da mit der heißen Luft auch Bakterien auf die Haut geblasen werden.