Hautpflege

Grundsätzlich kann die Hautpflege das Organ nur vor schädlichen Einflüssen wie Schmutz, Urin oder Stuhl schützen, nicht aber vor einem Ulkus bewahren. Die Grundlage der Hautpflege besteht in der täglichen Reinigung mit hautschonen­ den, d.h. pH-neutralen Pflegemitteln. Letzteres ist besonders wichtig, da ein intakter Säureschutzmantel die Grundvoraussetzung für gesunde Haut bildet. Der Säuremantel, bestehend aus Schweiß und Talg, befindet sich auf der Epidermis; er bietet den hauteigenen Keimen, die das Ansiedeln pathogener Keime verhindern, ein optimales Milieu. Wird der Säuremantel (pH-Wert von 4,6 – 6,0) zerstört, etwa durch Stoffe mit pH-Werten, die über dem der Haut liegen, ist die Haut vorgeschädigt und damit anfälliger für Erkrankungen wie Dekubitus.

Selbst körpereigene Flüssigkeiten können den pH-Wert der Haut verschieben und mit ihrem feucht-warmen Milieu das Wachstum von Bakterien begünstigen. Beispiele sind Urin und Stuhl, die mit basischen pH-Werten von bis zu 8 äußerst aggressiv sein können. Zudem mazeriert feuchte Haut, d.h., sie weicht auf und kann regelrecht zerfallen. Begleiterkrankungen wie starkes Schwitzen durch Fieber oder Inkontinenz müssen deshalb auch aus dekubitalprophylaktischer Sicht ernst genommen und behandelt werden. Windeleinlagen, in gegebenen Fällen auch Dauerkatheter, schaffen bei inkontinenten Immobilen geeignete Abhilfe und vermeiden allzu häufiges Waschen, das zu Intertrigo (Wundsein}, einer Vorstufe des Dekubitus, führen kann. Bei einem Blasenverweilkatheter werden die Patienten nicht so häufig gedreht. Patienten mit Windel müssen häufiger bewegt werden, das bedeutet bessere Dekubitusprophylaxe. Weiterhin verursacht ein Katheter relativ schnell eine Entzündung der Blase und der Harnröhre. Durch die Infektion kommt es zu einer vermehrten Blutansammlung im infizierten Bereich und einer Minderdurchblutung des Sakralbereichs. Hierdurch werden die Hautzellen schlechter versorgt, die Dekubitusgefahr wächst.

Weitgehende Uneinigkeit herrscht in Bezug auf das Eincremen der Haut; während einige Pflegeexperten die Verwendung hautschützender Salben, die Vitaminzusätze oder Pflegestoffe wie das hautverwandte Lanolin enthalten, befürworten, geben andere zu bedenken, dass Salben, zumal stark fetthaltige, die Poren verstopfen und den Wärmeausgleich behindern können. Fettsalben, so das Argument, könnten zwar die Haut vor mazerierenden Flüssigkeiten schützen, beeinträchtigten jedoch andere Hautfunktionen und seien deshalb ungeeignet. Abgeraten wird auch von Hautdesinfektionsmitteln, die prophylaktisch angewandt werden, da diese ebenfalls den Säureschutzmantel angreifen und somit das genaue Gegenteil ihrer beabsichtigten Wirkung hervorrufen.

Die Haut benötigt besondere Pflege, soll sie geschmeidig und frei von Rissen sein. Dies gilt in besonderer Weise für die so genannte Altershaut, die dünner, lichtempfindlicher, weniger elastisch und trockener ist, da mit fortschreitenden Lebensjahren immer weniger Melanozyten, Kollagen, Elastin sowie Talg und Schweiß produziert werden. Allerdings ist das Sauberhalten mit einfachen Mitteln wie Wasser und pH-neutraler Seife im Allgemeinen ausreichend; auf zu viele Hilfsmittel wie Salben, Badezusätze, Cremes und Pasten sollte im Zweifelsfall eher verzichtet werden.