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Ernährung als Dekubitusprophylaxe

Ein reduzierter Ernährungszustand, vor allem ein Protein-Kalorien-Mangel, wird von einigen Medizinern als der früheste Faktor in der Ereigniskette betrachtet, die zum Dekubitalulkus führt. Ein wichtiger Ansatzpunkt der Prophylaxe liegt daher bei der Kontrolle der Ernährung. Diese beinhaltet neben der ausreichenden Versorgung mit Proteinen, Zink und Vitamin C, die der Stärkung des Immunsystems dienen, vor allem einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt, insbesondere bei Fieber-Patienten und alten Menschen, bei denen das nachlassende Durstgefühl Austrocknung (Exsikkose) zur Folge haben kann.

Wie stark betroffen besonders ältere Menschen von einer Mangelernährung (Malnutration) sind, belegt die Bethanien-Ernährungsstudie: Von 300 Patienten mit einem Alter über 75 Jahren mussten allein vom äußeren Erscheinungsbild 23% als unterernährt eingestuft werden; der Körpermaßindex (BMI) ergab bei 57% der weiblichen und 60% der männlichen Probanden eine Unterernährung. Nach Seiler und Stähelin liegt bei Patienten mit einem großen Dekubitus in über 80% der Fälle eine Malnutration vor.

Die Ursachen von Malnutration sind vielfältig; man unterscheidet zwischen Patienten, die nicht essen wollen, etwa aufgrund der besonders bei alten Menschen stark verbreiteten Appetitlosigkeit, und solchen, die aus medizinischen Gründen nicht essen können oder dürfen, etwa nach Operationen oder bei chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Im Extremfall führt Mangelernährung zum Kräfteverfall, zur Kachexie. Der ausgezehrte Körper reagiert unter anderem mit einem Schwund (Atrophie) von Muskel- und Fettgewebe, der den Verlust der Hautelastizität nach sich zieht. Neben vielen anderen damit verbundenen Gefahren ist für die Dekubitusprophylaxe besonders die Tatsache relevant, dass die Haut ihre Polsterfunktion über den Knochenvorsprüngen nun kaum mehr wahrnehmen kann und somit eine hohe Disposition für Druckgeschwüre besteht.

Eine Studie am Nürnberger Klinikum im Jahr 1997 zeigt, dass mit steigender Gesamtkalorienzufuhr die Häufigkeit von Druckgeschwüren abnimmt: Patienten, die mehr als 1500 Kcal am Tag zu sich nahmen, entwickelten in nur 4,5% der Fälle einen Dekubitus, während die Zahl der Dekubitus-Erkrankungen bei einer Kalorienzufuhr von 1000 Kcal täglich bereits auf 57,6% hochschnellte.

Angesichts dieser Zahlen muss den Betroffenen, gerade in der ambulanten Pflege, das ausreichende Essen eiweiß- und vitaminreicher Kost schmackhaft gemacht und seine Bedeutung für die Dekubitusprophylaxe oder -therapie verdeutlicht werden: mangelhafte Ernährung ist ein Risikofaktor, der nur mit Hilfe des Patienten ausgeschaltet werden kann. Vielfach hilft eine Beratung des Patienten und seiner Angehörigen durch eine ökotrophologische Fachkraft. Gleichzeitig ist nach den Ursachen für die Mangelernährung zu forschen; bei schlecht ernährten Älteren ist zu prüfen, ob eine Anorexia senilis vorliegt, die als Ursache für kontinuierliche Appetitlosigkeit in Betracht kommt, oder ob beispielsweise eine Depression Auslöser ist.

Je nach der Schwere der Mangelernährung muss entschieden werden, ob Ergänzungskost oder gar PARENTERALE ERNÄHRUNG indiziert ist, um den Allgemeinzustand zu verbessern und damit zugleich die Gefahr eines Dekubitalulkus zu reduzieren. Die Entscheidung wird anhand der Blutwerte getroffen, die in einem Labor besonders auf einen Mangel an SERUMALBUMIN untersucht werden, einem Hauptbestandteil der Bluteiweiße, die im Blut für einen aus­ gewogenen Flüssigkeitsanteil sorgen. Wird das Gefäßsystem nicht mit der notwendigen Menge an Flüssigkeit versorgt, bildet sich oftmals ein Ödem – eine schmerzlose aber infektiöse Ansammlung wässriger Flüssigkeit in den Gewebsspalten,  beispielsweise der Haut und Schleimhäute.