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Ermittlung geeigneter Maßnahmen zur Vorbeugung

Eine genaue Analyse der vorliegenden Risikofaktoren und die Erstellung des individuellen Pflegebedarfs bilden die Grundlage für die korrekte Auswahl angemessener prophylaktischer Maßnahmen. Die kontinuierliche Beobachtung des Patienten und die fortlaufende Kontrolle der Beobachtungsresultate sind hierbei die wichtigsten Methoden.

Anhand der Punktzahl, die der Patient bei einer Einstufung nach der Norton­Skala erreicht, lassen sich geeignete Maßnahmen recht zuverlässig ermitteln. Erfahrungswerten sowie neuen Ergebnissen aus der Dekubitusforschung sollte dabei allerdings stets Raum gegeben werden.

Zur richtigen Vorbeugung gehört auch die präzise Erfassung der Risikofaktoren und deren Reduktion oder, wenn möglich, Ausschluss. Die hierfür zu treffenden Vorkehrungen richten sich nach der Ausprägung des jeweiligen Risikofaktors sowie dem Allgemeinzustand des Patienten. Besteht beispielsweise Harninkontinenz, kann das Legen eines Katheters, besonders natürlich bei vollständig immobilen Kranken, sinnvoll sein; herrscht ein schlechter Ernährungszustand, muss zweifelsohne über Ergänzungskost nachgedacht werden.

Die vielleicht wichtigste prophylaktische Maßnahme ist das tägliche Inspizieren der Haut. Die morgendliche Körperpflege oder das Betten eignen sich hierzu besonders gut; zum einen ist der Aufwand für das Personal sowie die Belastung für den Kranken gering, da die Untersuchung der Haut in die Pflege integriert werden kann, zum anderen können sich während der Nachtruhe erste Hautrötungen gebildet haben, die bei guten Lichtverhältnissen am Morgen schnell erkannt und daher auch rasch angemessen behandelt werden können.

Pflegeplanung und -dokumentation: ein wichtiges Instrument der Prophylaxe

Die Kooperation von Pflegepersonal, Ärzten und Patient ist ein wesentlicher Bestandteil effektiver Dekubitusprophylaxe. Nur wenn sämtliche notwendigen Maßnahmen allen Beteiligten bekannt sind, ist ihre stringente Durchführung gewährleistet.

Soweit möglich, sollten Patienten und gegebenenfalls deren Angehörige in die Prophylaxe eingebunden werden. Dies geschieht zuallererst durch die Information über die einzelnen Vorkehrungen und ihre Bedeutung für den Gesundheitszustand des Kranken. Bei einigen Maßnahmen kann die aktive Mithilfe des Patienten und die Unterstützung von Familienmitgliedern den Erfolg deutlich verbessern, beispielsweise in Bezug auf die Ernährung, aber auch hinsichtlich der psychischen Verfassung.

Um die Kommunikation zwischen Ärzten, in deren Verantwortung die Prophylaxe liegt, und ausführendem  Pflegepersonal zu koordinieren und zugleich beide Parteien vor rechtlichen Konsequenzen zu schützen, bietet sich die genaue Dokumentation der einzelnen Maßnahmen an. Diese bleiben durch schriftliches Fixieren auch über einen langen Zeitraum hinweg nachvollziehbar; gleichzeitig kann ihre Durchführung durch den behandelnden Arzt kontrolliert werden. Die Dokumentation der einzelnen Maßnahmen bietet zudem den Vorteil, dass der Erfolg der angewandten Mittel beurteilt und mangelnde Effizienz rasch behoben werden kann. In gleicher Weise trägt sie auch dazu bei, Fehler bei der Prophylaxe zu vermeiden oder rechtzeitig aufzudecken.

Häufigen Fehlern bei der Prophylaxe vorzubeugen, wie etwa die Vernachlässigung der obligatorischen Druckentlastung nach einem Schichtwechsel, diesem Ziel dient auch die Pflegeplanung. Dieses Instrument gehört inzwischen zur festen Einrichtung in medizinischen Institutionen und hat sich vielfach bewährt. Sowohl die lang- als auch die kurzfristige Planung helfen dem Personal, die Kontinuität der vorbeugenden Pflege zu gewährleisten und alle erforderlichen Schritte einzuhalten.

Die Planung der Dekubitusprophylaxe geschieht zunächst über die geltenden Pflegestandards. Diese Standards sind Richtlinien, die für alltägliche pflegerische Probleme grundsätzliche  Lösungsvorschläge  bereithalten. Werden sie dem Einzelfall entsprechend angepasst und stetig auf ihre Wirksamkeit überprüft, ergibt sich eine individuelle Prophylaxe, die auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnitten ist und die Gefahr eines Dekubitalulkus auf ein Minimum reduziert.